
In Graz entwickelt sich ein stetiger Wandel hin zu nachhaltigen und fairen Konsumgewohnheiten, insbesondere im Bereich Mode. In den Geschäften der Stadt entdecken Verkäufer wie Serafina Muhr eine zunehmende Nachfrage nach Kleidungsstücken, die sowohl für die Umwelt als auch für die Arbeiter*innen verantwortlich hergestellt wurden. Während einige Konsument*innen spezifische Fragen zur Herkunft der Stoffe stellen, setzen immer mehr Unternehmen auf transparente Produktionsprozesse. Lena Gruber von der NGO Südwind betont dabei den Unterschied zwischen echter Fairness und Marketingstrategien wie Greenwashing.
Die Diskussion um nachhaltige Mode ist vielschichtig. So steht bei ökologischer Mode der ressourcenschonende Produktionsprozess im Vordergrund, während faire Mode auf menschenrechtebasierte Arbeitsbedingungen setzt. Unabhängige Gütesiegel wie Fair Wear oder GOTS tragen dazu bei, echte Anbieter von opportunistischen Marken zu unterscheiden. Michael Diekers aus der "Nachhaltigen Kreisslerei" bestätigt dies und zeigt auf sein Sortiment hin, das vor allem zertifizierte Modelabels enthält. Eine Ausnahme bilden kleinere Betriebe, die sich diese Zertifikate nicht leisten können, aber dennoch qualitativ hochwertige Produkte anbieten.
Der steirische Unternehmer Thomas Winkler erklärt die Philosophie seines Unternehmens Apflbutzn: Für sie bedeutet Fairness nicht nur Bio-Standards, sondern auch soziale Sicherheit für alle Beteiligten. Auch wenn nicht jeder Lieferant offiziell zertifiziert ist, gibt es dafür ein engmaschiges Kontrollsystem, das die Standards gewährleistet. Diese Praxis wird von anderen lokalen Geschäften übernommen, wie etwa dem von Sigmund Benzinger geleiteten Zerum, das ebenfalls auf kurze Transportwege und familiäre Zusammenarbeit setzt.
Zwar bleibt die Fast-Fashion-Industrie weiterhin präsent, doch die Bewegung hin zu einer bewussteren Konsumweise nimmt Fahrt auf. Martin Wäg vom Traditionshaus Kastner & Öhler berichtet von einem starken Zuspruch auf ihre Nachhaltigkeitsbereiche, die seit 2012 etabliert sind. Die Nachfrage nach solchen Produkten hat sich signifikant erhöht, was zeigt, dass auch größere Unternehmen diesen Trend aufgreifen und weiterentwickeln.
Auch wenn faire Mode oft mit höheren Preisen verbunden ist, weist Lena Gruber darauf hin, dass verschiedene Preisstufen verfügbar sind. Sie empfiehlt, gezielter einzukaufen und sich auf Qualität statt Quantität zu konzentrieren. Durch den Kauf von Second-Hand-Kleidung und sorgfältige Auswahl kann jeder* seine* eigene Solidarität mit den Produzent*innen ausdrücken und gleichzeitig einen Beitrag zur Umweltschonung leisten.
