
Die Europäische Union hat eine Untersuchung gegen den Online-Händler Shein eingeleitet, um mögliche Verstöße gegen den Verbraucherschutz zu prüfen. Die Kommission ist besorgt über die massenhafte Einfuhr günstiger Waren und deren Auswirkungen auf Sicherheitsstandards und Verbraucherschutz. Zudem fordert Brüssel von Shein Informationen zu illegalen Produkten und Empfehlungssystemen auf der Plattform. Parallel dazu plant die EU Reformen im Zollrecht, um den steigenden Import von Kleinsendungen besser kontrollieren zu können.
EU-Kommission setzt Shein unter Druck
Die EU-Kommission hat eine detaillierte Untersuchung gegen Shein gestartet, um mögliche Regelverstöße zu klären. Es gibt Bedenken hinsichtlich missbräuchlicher Geschäftspraktiken und unlauterer Verträge. Diese Prüfung wird von nationalen Aufsichtsbehörden durchgeführt. Shein versichert, dass es zusammenarbeitet, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Eine Sprecherin betonte das Ziel, ein sicheres und vertrauenswürdiges Online-Einkaufserlebnis in der EU zu ermöglichen.
Die EU-Kommission verlangt spezifische Informationen von Shein bezüglich der Maßnahmen zur Sicherstellung des Schutzes von Verbrauchern und personenbezogenen Daten. Diese Anfrage basiert auf dem EU-Gesetz für digitale Dienste (DSA). Die Plattform muss bis zum 27. Februar antworten. Unvollständige oder irreführende Antworten könnten Geldstrafen nach sich ziehen. Die EU will sicherstellen, dass illegale Inhalte schneller entfernt werden und Nutzer leichter Meldungen einreichen können. Große Dienste sind strengeren Regeln unterworfen als kleinere, wobei Strafen bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen können.
Reformpläne und Reaktionen
Parallel zu den Untersuchungen plant die EU Reformen im Zollrecht, um den raschen Anstieg an Kleinsendungen besser zu kontrollieren. Im letzten Jahr wurden 4,6 Milliarden Päckchen mit einem Wert unter 150 Euro importiert, davon 91 Prozent aus China. Dies entspricht mehr als 12 Millionen Paketen pro Tag in der EU. Die Kommission schlägt eine Bearbeitungsgebühr für direkt an Verbraucher gelieferte E-Commerce-Waren vor, um steigende Kosten für Zoll- und Marktüberwachung auszugleichen. Zudem soll die Zollbefreiung für Sendungen unter 150 Euro abgeschafft werden.
Die geplanten Maßnahmen ernten sowohl Lob als auch Kritik. Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßt die Pläne als wichtigen Schritt hin zu faireren Wettbewerbsbedingungen. Gleichzeitig warnt der Verband vor zusätzlicher Bürokratie für europäische Händler. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert mehr Haftung von Betreibern von Online-Marktplätzen, wenn Angebote EU-Anforderungen nicht entsprechen. Der E-Commerce-Verband Bevh sieht gute Ideen in den EU-Plänen, warnt jedoch vor der Benachteiligung redlicher Händler durch zusätzliche Gebühren und Strafen. Trotz aller Kritik genießen die asiatischen Plattformen großer Beliebtheit in Deutschland, insbesondere wegen der niedrigen Preise und breiten Sortimente.
