



In naher Zukunft könnte das Einkaufserlebnis durch die Einführung digitaler Produktpässe (DPP) vollständig verändert werden. Diese digitale Lebensakte jedes Produkts soll Transparenz und Nachhaltigkeit im Shopping fördern. Anke Herbst, Expertin für Nachhaltigkeit beim Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie in Münster, erklärt die Bedeutung dieses Vorhabens. Ab 2027 sollen alle Kleidungsstücke einen solchen Pass haben, der Informationen über Herstellung, Materialien und Reinigung bietet. Dies ist Teil einer EU-weiten Initiative zur Förderung nachhaltiger Produkte.
Details zur Implementierung und Herausforderungen
In den kommenden Jahren wird sich das Einkaufserlebnis grundlegend ändern. In einem zukünftigen Modegeschäft kann eine Kundin ein Kleidungsstück auswählen und mit ihrem Smartphone den eingearbeiteten QR-Code scannen. Der Code enthält umfassende Informationen über das Produkt – von der Herstellung bis zur Reinigung. Diese Daten sind Teil eines umfangreichen Projekts namens Digitaler Produktpass (DPP), das von der EU gefördert wird. Ziel ist es, Transparenz und Nachhaltigkeit im Konsum zu erhöhen.
Der DPP soll ab 2027 für alle Textilien in der EU verpflichtend sein. Das bedeutet, dass Unternehmen enorme Mengen an Daten erfassen und speichern müssen. Diese Aufgabe stellt die Branche vor erhebliche technische und finanzielle Herausforderungen. Es müssen Standards entwickelt und bestehende Systeme angepasst werden. Dennoch sehen viele Unternehmen Chancen in diesem Projekt. Der DPP kann nicht nur nachhaltige Produktion fördern, sondern auch neue Serviceleistungen ermöglichen, wie beispielsweise einfache Zugänge zu Reparaturinformationen oder Pflegetipps.
Erste Vorreiter in der Branche, wie Bonprix, Adidas und Vaude, haben bereits erste Schritte unternommen. Bonprix führt seit Sommer 2024 einen DPP für Teile ihrer recycelten Badekollektion ein, während Premiumhersteller wie Adidas und Hugo Boss ihre Produkte mit ähnlichen Pässen versehen, um die Transparenz zu steigern.
Technisch können diese Informationen durch QR-Codes oder RFID-Chips übermittelt werden. Forschungsinstitute wie das Fraunhofer-Institut arbeiten daran, diese Technologien weiter zu verbessern und einheitliche Standards zu schaffen. Die Vorteile sind klar: Effizientere Prozesse, bessere Kundenbindung und natürlich ein nachhaltigerer Umgang mit Ressourcen.
Von der Journalistin Anja van Marwick-Ebner berichtet:
Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft könnten digitale Produktpässe ein wichtiger Baustein sein. Sie bieten Verbrauchern und Unternehmen gleichermaßen Nutzen. Durch Transparenz und einfach zugängliche Informationen wird das Bewusstsein für nachhaltige Produkte gestärkt. Dies könnte letztlich dazu beitragen, den Markt nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig den Verbrauchern mehr Kontrolle über ihre Käufe zu geben. Eine positive Entwicklung, die sowohl für die Umwelt als auch für die Wirtschaft von Vorteil ist.
