





Wimbledon, das älteste und angesehenste Tennisturnier der Welt, ist für seine tief verwurzelten Traditionen bekannt, die weit über das Sportliche hinausgehen. Während die strenge, ausschließlich weiße Kleiderordnung oft diskutiert wird, birgt das Event zahlreiche weitere Eigenheiten, die vielen unbekannt sind. Dieser Artikel beleuchtet fünf unerwartete Aspekte der \"Wimbledon Championships\", die den einzigartigen Charakter dieses Grand Slams auf Rasen unterstreichen und das Erlebnis für Besucher und Fans gleichermaßen prägen.
Eine bemerkenswerte Besonderheit ist die offene Picknickkultur auf dem Gelände. Besucher sind dazu eingeladen, ihre eigenen Speisen und Getränke mitzubringen und diese sogar auf den Rängen der Hauptplätze zu genießen. Dies führt zu einer entspannten Atmosphäre, die sich deutlich von anderen großen Sportveranstaltungen unterscheidet, obwohl es Regeln bezüglich der Menge und Art der mitgebrachten Güter gibt. Besonders auffällig ist dabei das Geräusch von Flaschen, die während der Matches entkorkt werden – ein akustischer Hinweis auf die gelebte Genusskultur.
Die legendären Erdbeeren mit Sahne sind untrennbar mit Wimbledon verbunden. Jährlich werden Tonnen dieser frischen Beeren, die von der Hugh Lowe Farm in Kent stammen, verzehrt. Eine faszinierende Entwicklung ist die Einführung von Wimbledon-spezifischem Gin: Seit 2020 gibt es einen Erdbeer-Gin der Marke Sipsmith, der ursprünglich aus der Not entstand, überschüssige Erdbeeren während der Pandemie zu verwerten. Ab 2025 wird sogar ein limitierter \"Top Seed Gin\" angeboten, der mit echten Grassamen vom Centre Court destilliert wird und es den Käufern ermöglicht, zu Hause ihr eigenes Gras anzubauen. Dies unterstreicht die Kreativität und den Innovationsgeist, mit dem die Traditionen des Turniers weiterentwickelt werden.
Ein weiteres einzigartiges Detail ist die Rolle von Rufus, einem ausgebildeten Wüstenbussard, der seit über 15 Jahren als \"Chief Pigeon Officer\" fungiert. Seine Aufgabe ist es, Tauben vom heiligen Rasen fernzuhalten, um die Spielflächen zu schützen. Rufus, der einen eigenen Clubausweis besitzt, ist ein fester Bestandteil des Wimbledon-Teams und sorgt mit seinen morgendlichen Flügen für die störungsfreie Durchführung des Turniers.
Die britische Warteschlangenkultur findet in Wimbledon ihre wohl prominenteste Manifestation. Wer keine Vorabtickets ergattern konnte, reiht sich geduldig in die berühmte Schlange ein, oft schon in den frühen Morgenstunden oder sogar über Nacht, um eine Chance auf eines der begehrten Tickets zu erhalten. Diese Disziplin und das Fairplay in der Schlange sind ein fester Bestandteil des Wimbledon-Erlebnisses und zeugen von der tiefen Wertschätzung der Fans für das Turnier. Selbst diejenigen, die nur einen \"Ground Pass\" erhalten, können später am Tag ungenutzte Tickets von anderen Besuchern erwerben, deren Erlös wohltätigen Zwecken zugutekommt, was den Gemeinschaftsgedanken weiter fördert.
Abschließend ist die schiere Menge an Tennisbällen, die während des Turniers zum Einsatz kommt, beeindruckend: Über 50.000 Bälle der Marke Slazenger werden pro Turnier verwendet. Diese werden strategisch während der Matches gewechselt, um den Spielern stets optimale Bedingungen zu gewährleisten. Eine schöne Tradition ist es, dass Fans diese gebrauchten Tennisbälle am Stand der Wimbledon Foundation erwerben können, wobei der gesamte Erlös der Stiftung zugutekommt. Dies verbindet die sportliche Leistung direkt mit einem wohltätigen Zweck und ermöglicht den Besuchern, ein Stück Wimbledon mit nach Hause zu nehmen, während sie gleichzeitig einen guten Beitrag leisten.
