Politische Stilrichtung: Die Bedeutung von Kleidung in der Politik

In der Welt der Politik scheint Mode auf den ersten Blick nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Doch hinter den Kulissen hat die Wahl des richtigen Outfits einen tiefen symbolischen Wert, den viele Politiker durchaus erkennen. Ein gut gewähltes Ensemble kann sowohl Autorität als auch Nahbarkeit vermitteln, was für politische Akteure von entscheidender Bedeutung ist. Der bekannte Modedesigner Derek Guy analysierte in einem Interview mit dem Zeit-Magazin die Kleiderordnung deutscher Spitzenpolitiker und stellte dabei interessante Beobachtungen an.

Für einige führende Politiker sind ihre Garderobe sowohl Segen als auch Fluch. Bundeskanzler Olaf Scholz wurde von Guy kritisch begutachtet, da seine Anzüge nicht immer perfekt sitzen würden. Dennoch lobte Guy Scholz dafür, dass er wenigstens keine Sneakers kombiniert. Robert Habeck hingegen, Bundeswirtschaftsminister und Grünen-Kandidat, tritt oft in T-Shirts unter Anzügen auf. Obwohl ihm das Outfit gut steht, fragt sich Guy, ob es tatsächlich die richtige Botschaft an die Wählerschaft sendet. Im Gegensatz dazu erhielt Friedrich Merz, Kanzlerkandidat der CDU/CSU, die beste Bewertung für seinen klassischen Anzugstil mit etwas breiteren Revers und höher geschnittenen Hosen.

Die deutschen Politiker zeichnen sich insgesamt stilistisch besser aus als ihre amerikanischen Kollegen, so Guy. Während US-Politiker oft mit Turnschuhen und ohne Krawatte auftreten, bieten deutsche Politiker ein eher professionelles Erscheinungsbild. Kerstin Weng, Chefin der deutschen „Vogue“, bemerkt, dass die neue Generation von Politikern eine entspanntere Haltung gegenüber Mode einnimmt. Dies zeigt sich beispielsweise bei Ministerin Aminata Touré, die im Dezember 2022 als erste Politikerin das Cover der deutschen „Vogue“ schmückte. Diese Entwicklung spiegelt wider, dass Mode in der Politik zunehmend als Brücke zwischen Regierung und Gesellschaft wahrgenommen wird, um Vertrauen und Nähe herzustellen.