Luftfracht von Schnellmode in der Schweiz: Ein wachsender Umweltproblem

Die Schweiz steht vor einer beispiellosen Herausforderung, da sich die Zahl der Luftfrachtimporte von Schnellmode massiv erhöht. Getrieben von Online-Marktplätzen wie Temu und Shein erreichten im Jahr 2024 fast jedes siebte Kleidungsstück per Flugzeug das Land, wobei mehr als drei Viertel dieser Lieferungen aus China stammten. Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen nach den ökologischen Konsequenzen auf und fordert eine dringend benötigte Regulierung des Sektors.

In den letzten Jahren hat sich ein alarmierender Trend herausgebildet, bei dem Modeunternehmen zunehmend auf Lufttransport zurückgreifen, um ihre Produkte zu verteilen. Dies ist besonders auffällig geworden, als Public Eye 2023 erstmals das Ausmaß dieses Phänomens aufgedeckt hat. Die Recherche zeigte, wie Inditex (Zara) den Flughafen Zaragoza zum Dreh- und Angelpunkt seiner globalen Logistik ausbaute. Trotz vieler Appelle setzt der spanische Modegigant weiterhin auf Lufttransporte, was dramatische Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Herbst 2024 erreichten die Importe mit über 2000 Tonnen pro Monat ein Allzeithoch. Vergleichbare Mengen wurden nur während der ersten Pandemiewelle eingeflogen, damals jedoch, um dringend benötigte Schutzkleidung aus Fernost zu beschaffen. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Bekleidung, wo im Dezember 2024 bereits 13,9% aller Waren direkt per Flugzeug angeliefert wurden – aus China sogar 30,1%.

Die Hauptverantwortlichen für diesen Trend sind schnell wachsende Plattformen wie Shein und Temu, die chinesische Waren zu Niedrigpreisen innerhalb weniger Tage direkt an Schweizer Haushalte liefern. Diese Praxis führt zu dramatischen ökologischen Folgen. Laut EcoTransIT verursacht der Transport einer Tonne Kleider per Luftfracht vom chinesischen Guangzhou nach Zürich 49-mal mehr Treibhausgasemissionen als der Seetransport nach Genua mit anschließendem LKW-Transport in die Schweiz.

Die jüngste Entwicklung zeigt klar: Trotz vieler Versprechungen wird sich die Modebranche nicht freiwillig auf den notwendigen Weg zur Reduktion von Emissionen begeben. Während einige Unternehmen bemerkenswerte Fortschritte machen, pulverisieren andere diese Bemühungen durch unverantwortliches Handeln. Eine mögliche Lösung wäre eine Deklarationspflicht für Konsumgüter, die den Transportweg sowie weitere Nachhaltigkeitsinformationen transparent macht. Darüber hinaus sollten Maßnahmen zur Abschaffung der indirekten Subventionierung des Flugverkehrs durch die fehlende Besteuerung von Kerosin ergriffen werden.

Es ist entscheidend, dass Regulierungen nicht nur auf neue chinesische Plattformen abzielen, sondern alle Händler und Hersteller in die Pflicht nehmen. Denn wie das Beispiel Inditex zeigt, haben auch etablierte europäische Unternehmen noch viel Aufholbedarf auf dem Weg zu einem nachhaltigen Geschäftsbetrieb. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die negativen Auswirkungen der Luftfracht auf das Klima zu minimieren und einen zukunftssicheren Modemarkt zu schaffen.