






In der Schweiz nimmt das Bewusstsein für einen umweltfreundlicheren Lebensstil zu, insbesondere im Bereich Mode. Während das Land weltweit im Kleiderkonsum führend ist, gewinnt die Slow Fashion-Bewegung an Bedeutung. Diese neue Philosophie verändert das Verhältnis der Menschen zu ihrer Kleidung und fördert eine nachhaltigere Herangehensweise. In den letzten Jahren hat sich dieser Trend als Reaktion auf die negativen Auswirkungen des Fast-Fashion-Modells etabliert, das auf rasch wechselnden Kollektionen und günstigen Preisen basiert.
Vom Massenkauf zur qualitativen Auswahl
Der konstante Kaufrausch der Schweizer Bevölkerung lässt sich teilweise durch das Phänomen der schnellen Mode erklären. Jedes Jahr werden etwa 100'000 Tonnen neuer Kleidung gekauft. Doch mit steigendem Umweltbewusstsein ändern sich die Konsumgewohnheiten. Mehr und mehr Konsumenten bevorzugen heute hochwertige Produkte aus ökologisch und ethisch einwandfreien Materialien. Dieser Wandel wird durch Initiativen wie Bubble Ethic unterstützt, die dazu ermutigen, bewusster einzukaufen und Alternativen zum Neukauf zu finden.
Verantwortungsvoller Konsum beginnt mit dem Bewusstsein über Materialien. Jeanne von Segesser von Bubble Ethic betont die Bedeutung natürlicher Stoffe und empfiehlt, den Konsum zu reduzieren sowie auf Vintage oder Reparaturmöglichkeiten zurückzugreifen. Diese Prinzipien haben bereits viele Menschen inspiriert, ihre Einkaufsgewohnheiten zu überdenken. Alia Elborai, Geschäftsführerin von La Trame, einer Secondhand-Boutique in Lausanne, berichtet von einer vielfältigen Kundschaft, die von Teenagern bis hin zu älteren Menschen reicht. Die Preise variieren zwischen 10 und 150 Franken, was zeigt, dass nachhaltige Mode auch finanziell zugänglich sein kann.
Innovation und Kreislaufwirtschaft in der Mode
Ein weiteres Merkmal der nachhaltigen Mode ist das Upcycling alter Materialien zu neuen Produkten. In Genf entdeckt die Marke «L’Upcyclerie» dabei neue Möglichkeiten, Stoffreste in elegante Kollektionen zu verwandeln. Diese Praxis demonstriert, dass es innovative Wege gibt, Ressourcen effizienter zu nutzen und Abfall zu minimieren. Camille Kunz von Caritas Genf sieht darin sogar das Potenzial für ein neues Geschäftsmodell in der Modebranche.
Trotz des Aufschwungs bleibt die nachhaltige Mode jedoch mit Herausforderungen konfrontiert. Hohe Preise können potenzielle Kunden abschrecken, und die Entsorgung von Altkleidern bleibt problematisch. Der Verein Coordination textile genevoise, zuständig für die Textilsammlung in Genf, verarbeitet jährlich etwa 2200 Tonnen Kleidung. Maude Massard-Friat, Koordinatorin der Sammlung, wünscht sich weniger aber bessere Qualität, um mehr Kleidung weiterverkaufen oder recyceln zu können. Dennoch könnte die Bewegung für nachhaltige Mode langfristig die Gewohnheiten beim Kleiderkauf grundlegend verändern und einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben.
